23.03.2018

Vom Bäckergesellen zum Geistlichen Rat

Newsbild Das Bild zeigt ihn im Mai 1953 mit den damaligen Ministranten vor dem Primizaltar.

Vom Hütejungen zum Bäcker und schließlich zum Priester. Das Leben des Heribert Gropper war bunt und dramatisch. In Buchloe wirkte er 13 Jahre als Benefiziat und wurde in der Zeit des Nationalsozialismus von der Gestapo ins Gefängnis geworfen. Herbert Sedlmair referierte bei den Kolpingsenioren in dem voll besetzten Kolpinghaussaal über Gropper. Dieser war nicht nur Benefiziat, sondern hat nach dem Zweiten Weltkrieg die Kolpingsfamilie wieder aufgebaut und den Bau des Kolpinghauses initiiert.

Mit reichlichem Bild- und Dokumentenmaterial wurde der ungewöhnliche Lebensweg eines spät berufenen Priesters aufgezeigt. Geboren 1906 in Rot an der Rot in eine Käser-Familie, wurde er durch den frühen Tod seiner Mutter mit einem Jahr Waise und Flüchtling, da die drei kleinen Kinder auf die Verwandten verteilt wurden, bis der Vater wieder heiratete. Seine Kinder- und Schuljahre verbrachte er in Memmingen, wo der Vater die Wirtschaft „Luginsland“ gepachtet hatte. Als der Vater eine Käserei bei Grönenbach kaufte und bald darauf im Ersten Weltkrieg einrücken musste, stand die Stiefmutter mit ihren fünf Kindern und der Käserei alleine da. So mussten die Kinder als Hütebuben zu Bauern.

1920 lernte Gropper beim Schützenbäck in Memmingen das Bäckerhandwerk und ging 1926 als Geselle zu Bäckermeister Schneid in Mindelheim. Dort hatte er seine lebensprägende Begegnung mit Alois Schmid, der als Stallschweizer in Mindelheim eine Heilpraktiker-Praxis eröffnet hatte. Er prophezeite Gropper, dass er nicht mehr lange in der Backstube stehen werde und finanzierte ihm das Studium, damit er Priester werden konnte. In der Basilika in Ottobeuren fand 1938 seine Primiz statt.

Als Kaplan in Karlshuld und in Schrobenhausen bekam er 1940 durch die vielen Religionsstunden bei rund 1000 Schülern ein lebensbedrohendes Kehlkopfgeschwür, das nicht operabel war. Als es überraschenderweise aufbrach und er dadurch gerettet war, legte sich sein Wohltäter Alois Schmid mit einer aggressiven Diabetes krank nieder und verstarb innerhalb drei Tagen. Als Heilpraktiker hatte Schmid täglich etwa 100 Patienten mit Beten und Segnen geheilt. Dieses Charisma bekam Gropper und heilte zeit seines Lebens seelische und körperliche Leiden, insbesondere bei Kindern. Zeitzeugen aus dem Zuhörerkreis im Kolpinghaus bestätigten solche Heilungen.

Am 1. August 1940 zog Gropper in das Benefiziatenhaus in Buchloe mit Barbara Dauner als Haushälterin ein, die er von seinem Wohltäter übernommen hatte. Schmid hatte sie geheilt, nachdem sie versehentlich aus einer Bierflasche eine Möbelbeize trank. Später kam Hedwig Wiedenmann als weitere Haushälterin dazu. Da Alois Schmid und Gropper allseits bekannte Nazigegner waren, suchte und fand man in der Alleinerbschaft von Gropper gegenüber den zwölf Schmid-Geschwistern eine „Erbschleicherei“ und nahm Gropper durch die Gestapo in Schutzhaft. Neun Monate saß er im Buchloer Gefängnis in Einzelhaft, sang laut fromme Lieder und bekam zum Ärgernis des Oberwachtmeisters Maischberger von der Haushälterin Briefchen in Kuchen gebacken oder in der Wäsche versteckt. Auch die Erteilung des Religionsunterrichtes wurde ihm verboten. Da Gropper nichts nachgewiesen werden konnte, wurde er im März 1942 wieder frei.

Als Präses der Kolpingsfamilie hielt er zu den Frontsoldaten durch Rundbriefe Kontakt und sammelte nach dem Krieg im Dezember 1945 die Kolpingmitglieder zur ersten Zusammenkunft im Hinterzimmer bei Baumeister Alois Reiner. Eingeführt wurden wieder die wöchentlichen Heimabende mit Vorträgen, Spiel und Gesang, und das Theaterspielen. Wegen der großen Wohnungsnot animierte Gropper die Kolpingsöhne zum Bau eines Zweifamilienhauses in der Schrannenstraße. Alles wurde mit Handarbeit erledigt, nur ein Betonmischer war von der Baufirma Reiner ausgeliehen. Dieses Haus wurde 1953 zur Finanzierungsgrundlage zum Kauf des brandgeschädigten Nüsseler-Bauernhofes für das Kolpinghaus. Gropper erlebte 1949 noch die Primiz von seinem Freund Hans Dodl, 1952 die Gemeindemission und die Grundsteinlegung zum Krankenhaus, das sein enger Mindelheimer Freund, Architekt Josef Ruf, plante, und 1953 die Primiz von Hans Bihler. Am 1. Juni 1953 trat er die Pfarrerstelle in Langenneufnach an, wo er 25 Jahre unter anderem als Dekan und als Geistlicher Rat wirkte, bis er 1978 als Pfarrer im Ruhestand nach Wollmetshofen ging und dort 1996 mit 90 Jahren verstarb.

Bei der Abschiedsfeier am 28. Mai 1953 im Jägerhaus-Saal in Buchloe wurde Gropper als engagierter Jugendseelsorger, guter Prediger, geschätzter Beichtvater, fleißiger Katechet und Krankenseelsorger gelobt und zum Ehrenpräses der Buchloer Kolpingfamilie ernannt. Einige Ministranten und Schüler seines Religionsunterrichtes, die sein strenges Regiment zu spüren bekamen, weinten weniger Abschiedstränen.

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